Kikkerschwimmen
Konzeption Schwimmunterricht
Die Unterrichtskonzeption des «Anfängerschwimmens» von Georges Götte
In diesem Kapitel soll an der Unterrichtskonzeption von Georges Götte, der in der Stadt Zürich über 40 Jahre Schwimmunterricht erteilt hat, aufgezeigt werden, dass die Elemente Wassergewöhnung, Basis- und Antriebskompetenzen im Unterricht miteinander produktiv verbunden werden können und sollen. Das Kikkerschwimmen wird hier in die Unterrichtspraxis eingeordnet.

Die Lernprozesse der «Wassergewöhnung», der «Basiskompetenzen» und der «Antriebskompetenzen» sollen Bestandteile jeder Schwimmlektion sein und zwar von der ersten Stunde an.
Die nötigen Bewegungserfahrungen für den Erwerb der Basis- und Antriebskompetenzen können an Land, dann im Wasser zuerst mit Hilfsmitteln, später ohne, erworben, gefestigt und angewendet werden. Die Bewegungen der Beine und Arme lassen sich mit geeigneten Hilfsmitteln mit dem Kopf über Wasser ausführen. Dies ermöglicht auch den wasserscheuen, wasserungewohnten Lernenden, die Antriebsbewegungen ohne Gefahr des Kippens oder Untertauchens auszuführen.
Das Gleichschlag- und Wechselschlagschwimmen werden gleichwertig erlernt und geübt.
Das «Anfängerschwimmen» ist die erste und wichtigste Zielstufe im Schwimmunterricht. Sie steht für Kinder ab dem Vorschulalter und für Schwimmanfängerinnen und -anfänger jeder Altersstufe im Mittelpunkt. Sie umfasst die Grobformen der verschiedenen Schwimmarten und beinhaltet Bewegungsabläufe, die zu guten und effizienten Feinformen ausgebildet werden können.
Die Grobformen des Kraul- und Rückenkraulschwimmens lassen sich bei entsprechender Wasservertrautheit rasch umsetzen. Das Brustschwimmen hingegen findet wegen der zu hohen Komplexität keinen oder nur wenig Platz im Anfängerschwimmen. Die Lernenden entwickeln in der Folge ihren eigenen «Bruststil». Die Gefahr dabei ist ein asymmetrischer und eventuell auch scherenähnlicher Beinschlag - häufig mit gestreckten (Spitz-)Füssen - und eine zu grosse Armbewegung, die bis zum Bauch oder zu den Oberschenkeln reicht. Eine schlechte Voraussetzung für das spätere Erlernen des korrekten Brustschwimmens.

«Kikkerschwimmen»: Eine erfolgreiche Zielform des Anfängerschwimmens

Mit dem Kikkerschwimmen, einer Vorform des Brustschwimmens, erwerben die Schwimmanfänger und -anfängerinnen eine vereinfachte Schwimmart, die ihnen Sicherheit und dadurch Vertrauen in den Aufenthalt im Wasser gibt. Kikkerschwimmen setzt sich zusammen aus Beinantrieb und Armbewegung. Von den bekannten vier Elementen des Brustschwimmens: Beinschlag (1), Armzug (2), Atmung (3) und Koordination (4), braucht es für das Kikkerschwimmen nur zwei. Da der Kopf über Wasser gehalten wird, fallen die Atmung (3) und die komplexe Koordination der Antriebsbewegungen mit der Atmung (4) weg bzw. erfolgen natürlich und automatisch. Kikkerschwimmen ist dadurch koordinativ weniger anspruchsvoll und kann deshalb schon früh(er) erlernt werden.
Die wichtige Wassergewöhnung und das Ausatmen ins Wasser sind beim Kikkerschwimmen keine Voraussetzung. Kikkerschwimmen kann deshalb parallel zur Wassergewöhnung erlernt werden. Ein Vorteil, da wir heute oft nicht über ausreichend Lektionen und Infrastruktur verfügen.
Die Bewegungen lassen sich mit geeigneten Hilfsmitteln mit dem Kopf über Wasser ausführen. Dies ermöglicht auch den wasserscheuen, wasserungewohnten Lernenden, die Antriebsbewegungen ohne Gefahr des Kippens oder Untertauchens auszuführen. Die Armbewegung ist auf dieser Anfängerstufe noch kein eigentlicher Zug, sondern dient vor allem der Unterstützung, um den Kopf über Wasser zu halten. Eine leicht schräge Wasserlage ist die Folge davon. Sie wird ausgeglichen durch einen wirkungsvollen Beinantrieb. Durch das pausenlose Aneinanderreihen von Armbewegungen und Beinantrieb (ohne Gleitphase) bewegen sich die Lernenden stetig und sicher vorwärts. Da der Kopf beim Schwimmen durch die wirkungsvolle Armbewegung über Wasser bleibt, können sie natürlich atmen und verfügen schnell über eine Schwimmart, die ihnen eine Übersicht über Wasser ermöglicht. Sie können die Umgebungssituationen im und ums Wasser wahrnehmen und einschätzen. Das subjektive Sicherheitsgefühl und die objektive Sicherheit steigen. Das Kikkerschwimmen lässt sich zusammen mit den Basiskompetenzen Ausatmung und Gleiten später mühelos zur korrekten Form des Brustschwimmens weiterentwickeln.