Spielen lernen
Zentrale Spielsituationen
Im Basketball gibt es eine ganze Palette an taktischen Fertigkeiten, die für das Spiel wichtig sind. Von dieser grossen Auswahl haben wir uns für die vier Spielsituationen entschieden, welche uns für den Schulsport am wichtigsten erscheinen. Es sind Situationen, die den Schülern und Schülerinnen oft Schwierigkeiten bereiten. Sie sind sich über die Bedeutung einer guten Verteidigung nicht bewusst und konzentrieren sich zu fest auf den Ball. Es muss den Schülern und Schülerinnen bewusst werden, dass sich nicht alle um den Ball und den Korbwurf kümmern können sondern auch um die Gegenermannschaft, den Rebound oder um die Aufstellung.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sie ein Spielverständnis entwicklen müssen, wobei eine Verteidigung, ein Rebound oder ein Angriff zentrale Situationen sind, die das Spiel qualititativ verbessern.
Mann-Mann-Verteidigung (MMV)
Im Basketball wird grob zwischen zwei Verteidigungsarten unterschieden; der Zonenverteidigung und der MMV. In der Zonenverteidigung verteidigt jeder Spieler eine ihm zugewiesene Zone. In der MMV hingegen ist jeder Spieler für die Verteidigung eines Gegenspielers verantwortlich, unabhängig davon, wo dieser steht.
Wir empfehlen im Schulsport die MMV, da diese schon auf tiefem Niveau schnell und effizient eingeführt werden kann und somit zu raschen Erfolgserlebnissen führt. Ausserdem wird jedem Schüler eine klare und verständliche Aufgabe zugeteilt. Jeder Spieler ist wichtig, sonst funktioniert die MMV nicht. Schliesslich wird mit dieser Form auch der grossen Heterogenität in Schulklassen Rechnung getragen, da die Verteidigungspaare so gewählt werden können, dass sich immer zwei Spieler mit ähnlichen körperlichen Voraussetzungen verteidigen. Somit wird das Verteidigen zu einer lösbaren Aufgabe und die Motivation steigt.
Angriff gegen die Mann-Mann-Verteidigung / Freilaufen
Vor allem in der Schule macht eine Angriffstaktik mit festen Positionen gegen die MMV keinen Sinn. Wenn Schülern eine feste Position zugewiesen wird, bewegen sie sich meist zu wenig. Sie meinen, die Position sei fix auf einem Punkt gegeben und somit wird das Spiel statisch und zu wenig intensiv. Deshalb vermitteln wir in der Schule eine Angriffstaktik ohne feste Positionen. Damit nehmen wir ein gewisses Chaos in Kauf, halten dafür aber die Intensität und die Spannung hoch.
Aber auch in einem Spiel ohne feste Positionen können verschiedene Angriffstaktiken vermittelt werden. Für Anfänger geht es vor allem darum, sich frei zu laufen, im richtigen Moment Pässe zu spielen und den Raum auszunutzen; also den freien Raum zu sehen, dahin zu laufen und den Pass in den Raum zu spielen. Später können Taktiken wie "give-and-go" oder Blöcke gelernt werden.
Korbwurf
Erfolgreiche Angriffe werden mit einem Korb abgeschlossen. Daher macht es Sinn, den Korbwurf spezifisch zu trainieren. Wie in der Einleitung beschrieben, sollen die Schüler/Innen ein taktisches Spielverständnis entwickeln. Da gehört es auch dazu, einschätzen zu können, ob ein weiterer Pass oder ein direkter Korbwurf sinnvoller ist.
Im Spiel sieht man immer wieder, dass viele Schüler und Schülerinnen Mühe haben, den Korb zu treffen. Sie kommen angerannt und schiessen auf den Korb, meistens erfolglos. Jeder Schüler und jede Schülerin muss für sich herausfinden von welcher Stelle er oder sie am ehesten trifft. Es geht darum, dass der/die Spieler/in abschätzen kann, ob es sich lohnt von dieser Stelle zu werfen oder ob es sinnvoller ist einem/r Mitspieler/in zu passen.
Rebound
Der Rebound wird eingesetzt, um nach einem Fehlwurf den vom Brett oder Ring abspringenden Ball unter Kontrolle zu bringen. "Die Mannschaft, die die Bretter kontrolliert, hat auch das Spiel in der Hand", heisst ein berühmtes Sprichwort unter Basketballspielern. Die Spieler versuchen eine möglichst günstige Ausgangsposition einzunehmen und springen dem Ball entgegen, sobald er in Reichweite ist.
Diese Kompetenz fehlt den Schülern und Schülerinnen in der Volksschule oftmals. Sie warten bis der Ball bei ihnen ist und nutzen den Fehlwurf nicht. Es ist ein Warten und ein erneutes Werfen auf den Korb. Diese hektische Reaktion muss vermieden werden, da ein neuer Aufbau oft erfolgsversprechender ist.
Wir haben zwei Übungen in der Klasse ausprobiert, die aufeinander aufbauen. Wir gehen von einem Negativbeispiel aus, indem die Schüler und Schülerinnen alleine sind und keine Chance haben, einen Korb zu erzielen, um ihnen dann die Vorteile von einem Mitspieler in der zweiten Übung zeigen zu können.
Nach dieser Übersicht der vier behandelten Spielsituationen folgt nun eine kurze Zusammenfassung der Schwierigkeiten, die wir in der Praxis angetroffen haben.
- Heterogenität: Entwicklungsstand des Körpers unterscheidet sich stark
- Bedingte Entwicklungsprobleme: Muskelaufbau und Beweglichkeit noch nicht so entwickelt wie Schnelligkeit
- Mannschaftssport: Grosse Erfahrungen bis gar keine Mannschaftserfahrungen
- Motivation und Einsatz ist sehr unterschiedlich; von den Sportskanonen bis zu den Sportmuffeln ist alles vorhanden
- Hallengrösse; eine ältere kleine Turnhalle mit 22 Schülern
Unsere beiden erprobten Spielsituationen werden nun in den nächsten beiden Kapiteln beschrieben und mit Videos veranschaulicht.