Spielen lernen

Vermittlungsmodell

Es gibt eine ganze Reihe von sportspieldidaktischen Konzepten. Diese nehmen für sich alle in Anspruch, Schülerinnen und Schüler zur handlungstragenden Teilnahme an Sportspielen zu befähigen. Wir sind der Ansicht, dass das Modell vom Tactical games teaching am besten für unser Lernprojekt Fussball geeignet ist. In unserem heterogenen Schulumfeld ist es oft so, dass die Schülerinnen und Schüler unmotiviert sind und auch nicht genügend technische Fertigkeiten mitbringen, um am Spiel teilzuhaben. Wir möchten, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur gegen den Ball kicken, sondern dass sie die zentralen Spielhandlungen erlernen und auch auf andere Teamsportarten übertragen können. Dadurch, dass wir die technischen und auch taktischen Elemente auf spielerische Art und Weise einführen, hoffen wir auf eine hohe intrinsische Motivation der Lernenden.
Hier werden wir am Beispiel von Fussball zeigen, wie zunächst spielerisch ein taktisches Problem aufgeworfen wird, um über taktisches Bewusstsein dann spielnahe Übungsformen durchführen zu lassen.

Nach Mitchell, Oslin, Griffin, 2006
Tactical games teaching
 
Bei der Sportspielvermittlung gehen Mitchell et al. (2006) von einer spielgruppenspezifischen Taktik aus. Das Ziel ist es, ein besseres Spielverständnis zu entwickeln und dieses dann auch auf andere Sportarten derselben Gruppe übertragen zu können. Die Sportart Fussball befindet sich gemeinsam mit Hockey, Basketball und Handball in der Gruppe der Invasionsspiele. Weitere Gruppen wären Feld-/Schlagspiele, Netz-/Wandspiele und Zielspiele.
 
Die Lösung der taktischen Probleme erfolgt auf induktiver Vorgehensweise. Dazu werden Spielformen angeboten. Je nach Können der Lernenden, weisen diese unterschiedliche Niveaus auf. Jede Niveaustufe definiert sich durch die zugeordneten taktischen Probleme und die zur Lösung notwendigen „Bewegungen ohne Ball“ und „Fertigkeiten mit Ball“. Für das jeweilige Können von Lernenden sind für Lehrpersonen die zu vermittelnden beziehungsweise die erforderlichen Kompetenzen in den Bereichen der Technik und Taktik genau benannt. Die Spielformen dienen der Darstellung oder besser gesagt der Provokation von taktischen Situationen oder Problemen, welche das Interesse der Schülerinnen und Schüler wecken sollen.
Durch Fragestellungen und Erklärungen der jeweiligen Situationen erfolgt das Bewusstmachen möglicher Taktiken. Damit es qualitative gute und zum Spielverständnis hinführende Fragen sind, werden diese vorgegeben. Es ist wichtig, dass die Fragestellungen die folgenden drei Kategorien abdecken:
 
  • Zeit: „Wann ist der beste Moment, um ... ?“
  • Raum:„Wo ist oder wo kann ... ?“
  • Risiko:„Welche Entscheidung ist die sicherste und welche die riskanteste?“
 
Die benötigten Techniken und Taktiken werden in Fertigkeitsübungen, welche wir in spielnahen Situationen eingebettet haben, gleichzeitig geübt und verbessert. Die technischen Fertigkeiten werden dadurch im taktischen Kontext erlernt.
In unserem Spielkonzept geht es darum, dass man den Schülerinnen und Schüler zuerst sagt, WAS zu tun ist und danach WIE es zu tun ist. Die Übungen, die wir als geeignet betrachten, können Sie aus diesem Lernprojekt entnehmen. Sie erhalten zudem Tipps für die konkrete Umsetzung im Sportunterricht.