Leichtathletik in der Primarstufe

Klären der Sache

Was braucht es, um eine gute Sportlerin/ein guter Sportler zu werden? Welches sind die Komponenten sportlicher Leistungsfähigkeit?
 
Es sind einerseits die koordinativen und andererseits die konditionellen Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten werden ergänzt durch emotionale, psychische, kognitive und taktische Voraussetzungen.

Koordinative Fähigkeiten

Konditionelle Fähigkeiten

Differenzierung

Schnelligkeit

Orientierung

Kraft

Reaktion

Ausdauer

Rhythmus

Beweglichkeit

Gleichgewicht

Diese Fähigkeiten müssen auch trainiert werden! Das Lernobjekt setzt sich deshalb mit der Frage auseinander, wie eine Lehrperson diese Fähigkeiten mit dem Lerninhalt «Leichtathletik» verbinden und trainieren kann.
 
Leichtathletik in der Primarschule sollte immer unter dem Aspekt der Mehrperspektivität betrachtet und unterrichtet werden.

Leichtathletik in der Schule, Internetzugriff 20. April 2012, 15.01 http://www.sportpaedagogik-online.de/leicht/leicht3.html

 
 

Leistung (--> Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen)
Freude an der Bewegung, Freude an der Leistung, Spass in der Gruppe: Ein erlebnisorientierter, abwechslungsreicher Leichtathletikunterricht kann und soll intensiv und anspruchsvoll sein. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, die Lern- und Leistungsbereitschaft zu fördern, eine positive Einstellung zur Anstrengung zu entwickeln, sich Leistungsanforderungen zu stellen und die eigene Leistungsfähigkeit zu verbessern.
 
Die Erfahrung des individuellen Leistungsfortschritts hat Vorrang vor dem Vergleich mit den Leistungen anderer. Leistung in der Gruppe kann als wichtiger Bestandteil des Leistungsgedankens verstanden werden.
 
Erfolge sind die beste Motivationsverstärkung. Können diese nicht nur aufgrund von physischer Stärke entstehen, sondern aufgrund verschiedenartigster Fähigkeiten, begeistern wir alle SuS für die Leichtathletik. Beim Puzzlelauf in der Gruppe zu reüssieren, die Ausdauerfähigkeit durch Mattenlauf mit menschlicher Uhr zu steigern, beim Nummern-Buchstaben-Sprint richtig zu reagieren, beim Schönschleudern von Velopneus Synchronität zu erleben, all dies sind auch Leistungsaspekte der Leichtathletik in der Schule.
 
 
Körpererfahrung (--> Sinneswahrnehmung verbessern,  Bewegungserlebnis und Körpererfahrung erweitern)
Durch vielfältige Bewegungsaufgaben und durch vielfältiges Ansprechen aller Sinne sollen die Wahrnehmungsfähigkeit verbessert, die Sinne geschärft und die allgemeine Lernfähigkeit sowie die koordinativen Fähigkeiten gefördert werden.
 
Den eigenen Körper und die eigene Belastungsfähigkeit einschätzen zu können ist von Bedeutung für die Entwicklung des Körper- und Selbstbildes. Auch Entspannungs- und Genussfähigkeit (im Zusammenhang mit Bewegung und Anstrengung) gehören dazu.
 
Das kleine Fliegen bei Sprüngen aller Variationen zu erleben, dieses Gefühl noch mit die Flugphase auskostenden Hilfsmitteln zu verlängern (z.B. Kastentreppe oder Stab), verhilft allen SuS zu einem Erlebnis und sie lernen ihren Körper besser kennen.
 
 
Kooperation (--> Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen)
Im Unterricht bieten sich vielfältige Anlässe, Probleme zunehmend selbstständig, fair und verantwortungsvoll zu regeln. Kooperatives Verhalten sollte durch entsprechende Aufgabenstellungen gefördert werden. Auch die Individualsportart Leichtathletik kann durch die Bewältigung gemeinsamer Aufgaben zum Gemeinschaftserlebnis werden.
Das «Wir-Gefühl» in fairen Wettkämpfen (Stafetten) zu pflegen gehört genau so dazu wie ein Partnerfeedback im Weitsprung entgegenzunehmen. Wettkämpfe gehören zum Sport und widersprechen nicht dem Wesen des Primarschülers. Sportunterricht kann nicht wettbewerbslos durchgeführt werden. Das «Sich-mit-anderen-Vergleichen» und das »Sich-mit-sich-selber-Vergleichen sind wichtige Komponenten schulischen Sporttreibens.
 
 
Gesundheit (-->Gesundheit und Fitness fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln)
Ziel  ist es, die Gesundheit als ein Zusammenwirken physischer, psychischer, sozialer und ökologischer Faktoren begreifbar zu machen und den SuS den Zusammenhang zwischen sportlichem Handeln und Gesundheit aufzuzeigen. Sich im Unterricht und in den eigenen Leistungsmöglichkeiten wohlzufühlen ist ein wesentliches Ziel eines gesundheitsorientierten Sportunterrichts (salutogenetischer Ansatz).
Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der psycho-physischen Belastbarkeit sind in diesem Zusammenhang einzuordnen.
Die Ausdauer spielt in diesem Zusammenhang eine grosse Rolle. Nirgends können SuS besser für diese Punkte sensibilisiert werden als in der Leichtathletik.
Ebenfalls sollte Leichtathletik so oft wie nur möglich in der Natur und im Freien stattfinden.
 
 
Gestaltung (--> Sich körperlich ausdrücken, Bewegung gestalten)
Vielfältige Möglichkeiten, die Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers zu erproben und zu reflektieren, gehören in diesen Bereich. Der Unterricht trägt dazu bei, das individuelle Bewegungsrepertoire zu erweitern.
Mit der Bewegung zu spielen, sich über Bewegung auszudrücken, mittels der Bewegung mit anderen zu kommunizieren und Bewegungsideen zu gestalten, ist ein eigenständiges Ziel auch in der Leichtathletik.
 
 
Wagnis (-->Etwas wagen und verantworten)
Die Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten und Grenzen in herausfordernden Situationen mit unsicherem Ausgang ist eine wichtige Erfahrung. Bewusstes und umsichtiges Abwägen von Wagnissen soll zur realistischen Selbsteinschätzung weiterentwickelt werden.
Die SuS können lernen, zu ihrer Angst zu stehen, sie zu überwinden und Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen.