Leichtathletik in der Primarstufe

Entscheid für Lernevaluation

Ein weiterer Aspekt, der das Gelingen oder Misslingen einer Leichtathletik-Unterrichtseinheit aus Sicht der SuS wesentlich mitentscheidet, ist die Frage der Beurteilung. Wie viele SuS sind ausdauerfrustriert, weil sie nur einmal im Jahr den 12 Minuten-Lauf absolvieren mussten (der dann die Zeugnisnote ausmachte)? Wie viele SuS sind frustriert, weil im Hochsprung sowieso nur der grösste die beste Note erreicht? Wie viele SuS sind frustriert, weil sie genau einmal den 60 Meter Sprint geübt haben und dann in der nächsten Lektion der Sprint bereits beurteilt wird? Wie viele SuS haben Beurteilung in der Leichtathletik nur am Sporttag erlebt?
 
Natürlich eignet sich gerade die Leichtathletik für eine wirklich objektive Beurteilung, weil sie als einige der wenigen sportlichen Disziplinen wirklich messbar ist. Dennoch:  Beurteilung in der Primarstufe soll ihren Zweck in erster Linie in der Förderung der SuS haben. Die SuS sollen sich in ihrer Leistung bestätigt sehen und Freude am Sportunterricht haben. Deshalb gilt – wie für alle andere Fächer auch:
  • Keine Beurteilung von Leistungen, die nicht vorgängig im Unterricht behandelt und geübt wurden. Wenn Weitsprung trainiert wurde, dann soll auch Weitsprung bewertet werden (und nicht der 12 Minuten-Lauf).
  • In der Primarschule soll vor allem anhand der Individualnorm beurteilt werden, in zweiter Linie anhand der Sachnorm und nur in wenigen Fällen anhand der Sozialnorm.

 
 

Formative Beurteilung (Lernprozesslenkung)
Diese Beurteilungsart steht aus meiner Sicht im Mittelpunkt. Die LP soll die Voraussetzungen und Bedingungen für das weiterführende Lernen erfassen und analysieren. Die SuS sollen erleben, dass sie durch Training eine Verbesserung ihres Bewegungsablaufes erreichen oder dass sich auch die effektive Leistung steigert. Diese Art von Beurteilung passiert in jeder Lektion.
 
Wahrnehmung der Lernfortschritte
Die LP muss den SuS immer wieder ermöglichen, ihre Lernfortschritte zu erkennen. Vor allem am Ende einer Lektion ist mit Lob oder Anerkennung nicht zu sparen.
 
Selbst – und Fremdbeurteilung
Sport eignet sich allgemein gut, dass SuS sich in der Selbst- und Fremdbeurteilung üben können. Partnerfeedback im Hoch- oder Weitsprung ist nur ein Beispiel. Durch die Fremdbeurteilung lernen die SuS auch die Kriterien für einen guten Schrittsprung kennen.
 
Summative Beurteilung (Benotung in der Leichtathletik)
Leistungsmessungen (wie Hochsprung oder Ballweitwurf) können einen Teil der Zeugnisnote ausmachen. Vergessen werden aber dürfen weder der individuelle Leistungsfortschritt noch die Beurteilung der Bewegung. So kann für die Zeugnisnote z.B. die absolute Hochsprungleistung (bei den meisten SuS erreicht durch den Schersprung) zählen, dann aber auch die Leistung in Bezug auf die Körpergrösse (relative Hochsprungmessung) und dazu noch die Nachahmung der korrekten Technik (vielleicht des Fosbury Flops).
 
Auf der Homepage qims finden sich viele Beobachtungsbogen, anhand derer eine Beurteilung zustandekommen könnte.
 
Zu bedenken gilt auch:
Der Sinn des Unterrichts liegt nicht im Notenmachen. Die Ermittlung von Leistungen soll nicht den gleich grossen Umfang haben wie die effektive Übungszeit. So kann im Weitsprung auf eine individuelle Weitenmessung (Personalbedarf: mindestens 3 Personen!!) verzichtet werden. Mit einem Zonenweitsprung kann die Lehrperson in gleicher Zeit viel mehr SuS beurteilen.
 
Leichtathletik-Test SLV
Der Schweizerische Leichtathletik Verband macht ebenfalls Vorschläge für Testformen der Leichtathletik. Diese orientieren sich mehr an dem Erwerb von koordinativen Fähigkeiten (wie Rhythmisierungsfähigkeit oder Orientierungsfähigkeit) als an «echten» Leichtathletik-Disziplinen.
Es zeigt sich aber auch: Vor allem in der Mittelstufe wollen sich SuS miteinander messen, so dass auch die Messung von Disziplinen durchaus noch eine Berechtigung hat.